Reisen nach Down Under ins australische Queensland

Ein Reisebericht von Oliver Windhorst!

 

Fünf Uhr morgens: Ein Kookaburra, der gefiederte Wecker des australischen Regenwaldes, ruft zum Morgenappell. Unsanft durch das hämische und dröhnend laute Gelächter des Eisvogels aus den Urlaubsträumen gerissen, verfluche ich still dieses kleine Großmaul und würde ihm am liebsten den Schnabel verbieten. Doch dann fällt mein verschlafener Blick durch die Terrassentür auf eine verdächtige Bewegung im Vorgarten: Lautlos löst sich hier gerade eine fellbewehrte Silhouette aus dem Gebüsch und kommt direkt auf mich zu.

Nur zehn Meter von meinem Kingsize Bett entfernt stoppt mein Überraschungsgast auf der Wiese und starrt mich sekundenlang durch die Terrassentür mit unbewegter Miene an. Äußerlich cool, erwidere ich lässig den Blick des Eindringlings und mache ihm damit unmissverständlich klar, wer dieses Down Under Augen-Duell gewinnen wird. Gleichzeitig tastet meine Hand zitternd nach der Kamera auf dem Nachttisch. Dann geht alles ganz schnell: Ich reiße den Fotoapparat in einem Atemzug hoch, fixiere mein Gegenüber in Sekundenbruchteilen mit dem Sucher und drücke ab: Klick, klick, klick. Aufgeschreckt aber dennoch elegant hüpft der pelzige Beobachter in die Büsche zurück. Unfassbar! Ich hatte gerade ein Känguru in meinem Vorgarten. Dabei ist „mein“ Vorgarten eigentlich nur angemietet und gehört zur Executive Suite des Luxus Resorts Peppers Ruffles Lodge & Spa, gelegen im Hinterland der Gold Coast. Genauer gesagt im australischen Bundesstaat Queensland.

 

Queensland - 300 Sonnentage und 27 Grad Durchschnittstemperatur

Die australische Gold Coast hat neben neugierigen Anstandsbesuchen von Kängurus für Touristen noch eine Vielzahl weiterer Erlebnisse zu bieten: Dazu gehören alle nur erdenklichen Wassersportarten oder auch das legendäre Great Barrier Reef. Hinzu kommen rund 100.000 Hektar Regenwald mit faszinierenden Naturreservaten und Themenparks. Queensland verwöhnt Gäste mit Durchschnittstemperaturen von 21 bis 29 Grad, mehr als 300 Sonnentagen im Jahr,  70 Kilometern Küstenlinie und letztlich natürlich auch mit den Australiern selbst, die die Freundlichkeit für sich gepachtet zu haben scheinen. „Hier sind die Menschen einfach entspannter als in Deutschland“, sagt dann auch Angelika, die vor über 40 Jahren nach „Aussieland“ ausgewandert ist. 
 
Eine erste, wenn auch recht domestizierte Impression kann man beispielsweise im Curumbin Wildlife Sanctuary gewinnen: Hunderte australischer Tiere wie Kängurus, Dingos, Krokodile oder Tasmanische Teufel sowie 26 Hektar Eukalyptus- und Regenwald stehen auf der Habenseite des Schutzgebietes. Wer möchte, kann hier bei wirklich spannenden Raubvogelshows,  dem Besuch des örtlichen Tierkrankenhauses oder bei anderen Attraktionen viel über die Pflanzen und Tiere lernen. Die Betreiber des Currumbin Wildlife Sanctuary legen viel Wert auf den Nonprofit-Charakter des Reservates sowie ihr Engagement für die heimische Flora und Fauna. Der eine oder andere Tierfreund könnte sich allerdings am Koala-Knuddeln inklusive Schnappschuss für Touristen vor einer Fototapete stoßen. Trotzdem: Mit mehr als 1.400 Säugetieren, Vögeln und Reptilien bietet das Currumbin Wildlife Sanctuary eine tolle Gelegenheit, um sich über die australische Tier- und Pflanzenwelt zu informieren. 
 
 
 

Skywalks - in luftiger Höhe durch den Regenwald

Ebenso Natur light bieten Erkundungstouren auf den so genannten Skywalks. Diese durch den Regenwald gezogenen Wege und Brücken befinden sich in luftiger Höhe und erlauben etwa im Tamborine Rainforest  eine ungewöhnliche und ungefährliche Perspektive auf das grüne Dickicht. Hier, auf dem North Tamborine Skywalk, kann man auf einem rund 40-minütigen Spaziergang den Regenwald von einer sich durch den Wald schlängeln den Stahlkonstruktion aus beobachten. „Höhepunkt“ ist ein begehbarer Ausleger, welcher 30 Meter über dem Grün thront. Die „Luftwege“ sind
so gut ausgebaut, dass man diese auch mühelos mit Flip Flops bezwingen kann. Wer näher dran sein möchte, begibt sich, wie unsere Gruppe, mit ausgebildeten Führern auf verschlungenen Pfaden in die Natur.
 
 
Gemeinsam durchstreifen wir mit Tim Scarisbrick von ECO Safaris Queensland den Tamborine Mountain National Park, bleiben staunend an gigantischen, jahrhundertealten Bäumen stehen und lassen uns dabei beispielsweise den perfiden Überlebensmechanismus der Würgefeige erklären, welche in jahrzehntelanger „Arbeit“ den Stamm eines Wirtsbaumes übernimmt, indem sie ihn langsam erdrosselt - gruselig. Einen ähnlichen Gänsehautfaktor hat die Wohnungsbesichtigung einer so genannten Trap Door Spider an einer Lehmwand im Lamington National Park: Diese
Falltürspinne installiert an ihrer Wohnröhre einen getarnten Deckel, nur um ahnungslose Insekten beim Vorbeispazieren blitzschnell zu pa-cken und in ihre Höhle zu ziehen.
 
 

Regenwald inklusive Spa-Bereich

Idealer Ausgangspunkt für geführte Regenwaldtouren ist O“Reilly“s Rainforest Retreat im Lamington National Park. Umgeben von 20.000 Hektar Regenwald, 160 Kilometer Wanderwegen und 500 Wasserfällen bekommt hier jeder Naturliebhaber Frühlingsgefühle - und das jahreszeitenunabhängig. Entspannung verspricht nicht nur die Aussicht vom in 1.000 Meter Höhe gelegenen Berg auf das wie hingegossene Tal, sondern auch der große Spa-Bereich des sich seit 100 Jahren in Familienbesitz befindlichen Unternehmens. Wer eine von Serpentinen gespickte Autoanfahrt zu O´Reilly´s
in Kauf nimmt, wird beim abendlichen Verweilen auf dem Balkon der Lodges mit einer Entspannung belohnt, die sich stressgeplagte Städter in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Während der Himmel versucht, den Kitschpostkarten-wettbewerb in der Kategorie Sonnenuntergänge zu gewinnen, hüpfen in dem Urlaubsresort knuffige, zur Familie der Kängurus gehörende, Wallabys herum. Trotz des beeindruckenden Soundteppichs aus Grillengezirpe und Smalltalk der zwischen den Lodges umherfliegenden Papageien, versinkt man ebenso unbemerkt, wie auch unweigerlich in einen angenehmen Zustand des Friedens mit sich selbst.
 
Doch bei O“Reilly“s kann man noch mehr machen, als den Gedanken zu fassen, hier nie wieder wegzugehen. Zum Beispiel eine geführte Nachtwanderung, bei der Teilnehmer mit etwas Glück Opossums, Frösche, Leguane und andere Waldbewohner zu Gesicht bekommen. Highlight: Nach einer kurzen Wanderung schaltet unser Führer seine leistungsstarke Taschenlampe aus, und als hätte die Natur mit einem Mal einen gigantischen 100 Watt Lichter- kettenteppich auf einer Fläche von Dutzenden von Quadratmetern angeknipst, blickt unsere Gruppe nun auf ein funkelndes Meer aus Glühwürmchen, welche es sich an einer Uferböschung gemütlich gemacht haben.
 
 

Zu Besuch bei einer Lady

 
Ortswechsel: Sanft und von unserer Anwesenheit scheinbar unbeeindruckt gleitet die Naturschönheit durch das glasklare Wasser. Während alle Augen gebannt auf das Schauspiel gerichtet sind, springt unser Führer Grant vom Boot ins Wasser, um mit der massigen Grazie Körperkontakt aufzunehmen. Doch die Meeresschildkröte braucht nur ein paar Flossenschläge, um sich den plumpen Annäherungsversuchen unseres Guides zu entziehen und ihren Standpunkt klar zu machen: „Anschauen ja, anfassen nein!“ Genau diese goldene Regel sollte sich jeder aus Naturschutzgründen beim Besuch des im Great Barrier Reef gelegenen Insel-Resorts Lady Elliot Island ins Reisetagebuch schreiben. Die Insel, die zur Marine National Park Zone gehört, ist nur mit einer kleinen Propellermaschine zu erreichen (max. 13 Passagiere) und der Flug allein stellt eigentlich schon ein vorgelagertes Sightseeing dar. So kann man aus dem Cockpitfenster beispielsweise die größte Sandinsel der Welt, Fraser Island, in all ihrer Pracht bestaunen.
 
 
Die von tausenden von kreischenden und tschilpenden Vögeln okkupierte Insel Lady Elliot toppt dieses Erlebnis dann allerdings mühelos. Beim Schnorcheln im Riff tauchen Besucher in einen surreal bunten Fiebe rtraum: Nur wenige Zentimeter entfernt huschen die quietschbunten Fische an ihren menschlichen Gästen vorbei, während zerklüftete Rifftäler den Besuch auf den Planeten eines anderen Sonnensystems suggerieren. Die anschließenden Spaziergänge, die Fütterung von Fischen am Strand und die Besichtigung von Schildkrötennestern sind wirklich nett, aber eigentlich will ich nur zurück ins Wasser. 
 
Noch Tage später, nach meinen etwas hilflosen Surfversuchen am Strand von Surfers Paradise sowie abenteuerlichen Geländeausflügen mit dem Quad - einer Art vierrädrigem, geländegängigen 50 PS-Motorrad - im Hinterland, kreisen meine Gedanken noch immer um das Great Barrier Reef.
 

Quelle: Kundenmagazin FREIZEIT 05/2011, Autor: Oliver Windhorst

Fernweh bekommen? Durchstöbern Sie gern  weitere Artikel über Fernreisen, wie beispielsweise

Oder besuchen Sie uns im Reisebüro. Wir können Ihnen noch viele weitere Tipps geben!