Reise nach Namibia - Safari in eines der schönsten Naturparadiese Afrikas

Ganz ohne Jetlag und nonstop von Deutschland

Namibia ist etwa doppelt so groß wie Deutschland - und gleichzeitig eines der am dünnsten besiedelten Länder der Erde. Geprägt wird das Gebiet im Wesentlichen von zwei Wüsten: der Namib im Westen und der Kalahari im Osten. Dazwischen findet sich das  Binnenhochland, im Durchschnitt 1.700 Meter über dem Meeresspiegel gelegen. Das durchschnittliche Klima Namibias ist heiß und trocken - jedoch gibt es große Unterschiede zwischen den Landesteilen. Generell liegt die beste Reisezeit zwischen April und Juni, wenn die Spitzentemperaturen nicht so hoch und die Zahl der Regentage am geringsten ist.

 

Ort, an dem nichts ist

Der Name Namibia leitet sich von der Namib-Wüste ab - einer 95.034 Quadratkilometer großen Trockenwüste an der Westküste Afrikas. Namib, das bedeutet: „Ort, an dem nichts ist“. Mit zirka 80 Millionen Jahren ist die Namib die älteste Wüste der Welt - und ein extrem unwirtlicher und lebensfeindlicher Ort: Die Temperaturen steigen tagsüber auf  über 50 Grad, fallen nachts jedoch unter den Gefrierpunkt. Jahrzehntelang anhaltende Trockenzeiten und häufige Sandstürme tun ein Übriges. Dennoch ist die Namib-Wüste kein so trostloser Fleck, wie der Name vermuten ließe: Tiere und Pflanzen haben erstaunliche Fähigkeiten entwickelt, um in dieser Welt der Extreme zu überleben. Die besonderen klimatischen Verhältnisse haben einzigartige erd- und urgeschichtliche Zeugnisse konserviert. Und selbst der nackte Sand, der sich zwischen Swakopmund und Walvis Bay zu den höchsten Dünen der Welt auftürmt, sorgt - je nach Sonnenstand und Feuchtigkeitsgehalt - für eine wahrhaft erstaunliche Farben- und Formenvielfalt.
 
Lesen Sie hier mehr über die San - die älteste Bevölkerungsgruppe Namibias!
 
 
 
 

Erinnerung an Deutsch-Südwest

Es waren jedoch nicht so sehr die Naturschönheiten, die der deutschen Kolonialmacht ins Auge stachen, sondern Kupfer-, Gold- und sogar Diamantenvorkommen. Noch heute zeugen deutsche Straßenschilder, deutsche Gerichte auf der Speisekarte, deutsche Sitten wie der Karneval in Windhoek oder wilhelminische Architektur von jener Epoche. Von den zwei Millionen Namibiern sprechen rund 30.000 neben der offiziellen Amtssprache Englisch auch Deutsch. Nach dem Ersten Weltkrieg trat Südafrika an die Stelle der deutschen Kolonialmacht, sodass Namibia seine endgültige Souveränität erst 1990 und damit als letzte der ehemaligen afrikanischen Kolonien erreichte. 
 
Besonders reizvoll für den Afrika-Urlauber ist die Tatsache, dass Namibia in rund zehn Stunden per Nachtflug recht komfortabel erreichbar ist und ab München sogar ohne Zwischenstopp.  Wer am frühen Morgen in Windhoek  (sprich: „Winthuk“) ankommt, sollte sich die Zeit nehmen, das wirtschaftliche und politische Zentrum des Landes zu erkunden, denn nirgendwo ist es so einfach, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Abseits der kolonialen Fassaden und europäisch geprägten Viertel, im Vorort Katutura, ist es möglich, afrikanischen Alltag jenseits aller Klischees zu erleben: auf dem Soweto Market mit seinen landestypischen Delikatessen beispielsweise oder in einer der zahlreichen Shebeens, der afrikanischen Kneipen. Ein Besuch der Kleinkunstbühne des WareHouse Theatre bringt Interessierten lokale und internationale Produktionen nahe, und auch in der Nationalgalerie oder der Omba Galerie erfährt man - gespiegelt in ihrer Kunst - einiges über Geschichte und Leben der Menschen im Vielvölkerstaat. Allgegenwärtig sind in Windhoek die Überbleibsel deutscher Kolonialherrschaft wie die Alte Feste mit dem Reiterstandbild davor, die Christuskirche oder das Hauptgebäude des Bahnhofs. Von hier aus startet seit Kurzem auch wieder der luxuriöse Desert Express, ein reiner Personenzug, dessen genießerisches Tempo ganz im Gegensatz zu seinem Namen steht: 20 Stunden dauert die Fahrt bis nach Swakopmund in dem rollenden First-Class-Hotel, Zwischenstopps mit Löwenfütterung, Sundowner und Dünenbesteigung inklusive. 
 
Folgt man der Küstenlinie von Swakopmund nach Norden, gelangt man an die Skelettküste - den größten Schiffsfriedhof der Welt. Die Schiffswracks, zum Teil nur noch „Skelette“, stellen die stummen Zeugen der Tragödien dar, die sich hier im dichten Nebel, bei Sturm und hohem Seegang abspielten. Schiffbrüchige, die an diesen trostlosen Küstenstreifen gespült wurden, hatten kaum Überlebenschancen, denn vor ihnen erstreckte sich eine bis zu 300 Kilometer breite, menschenleere Wüste. 
 
 

Auf Safari mit den Big 5

Wesentlich lebendiger geht es in den Naturschutzgebieten Namibias zu, deren bekanntestes der Etosha-Nationalpark  ist. Vor rund zwei Millionen Jahren lag hier ein riesiger See, der, nachdem er seinen Zulauf verloren hatte, austrocknete. Übrig blieb eine ausgedehnten Salzpfanne, umgeben von Gras- und Buschland sowie Trockenwald im Nordosten. Bei einem Urlaub in Namibia gehört ein Aufenthalt im Etosha-Nationalpark beinahe zum Pflichtprogramm, denn auf einer Fläche von 22.270 Quadratkilometern erstreckt sich das wohl bedeutendste Wildreservat Afrikas. Bereits 1907 wurde das Gebiet von der Deutsch Südwestafrikanischen Verwaltung unter besonderen Schutz gestellt. Seine geradezu paradiesische Artenvielfalt ist während der Trockenzeit besonders eindrucksvoll. Dann versammeln sich in der Dämmerung gewaltige Zebraund Gnuherden sowie Antilopen , Giraffen und andere Savannenbewohner an den wenigen Wasserlöchern im südlichen Teil. 14 Säugetierarten leben im Etosha-Nationalpark, darunter auch das seltene schwarze Nashorn und die angeblich größten Elefanten Afrikas. Gut gepflegte, aber ungeteerte Straßen erschließen den Park - drei staatliche Restcamps Halali, Okaukuejo und Namutoni bieten Übernachtungs- und Verpflegungs-möglichkeiten. 
 
Auf halber Strecke zwischen Windhoek und der Etosha-Pfanne liegt das  Waterberg- Plateau. Rund 200 Meter ragt der massive Tafelberg aus der umliegenden Landschaft  empor. Er besteht aus rotem Sandstein; Regen sickert durch das poröse Gestein und trifft weiter unten auf eine undurchlässige Tonschicht. Folglich ist es auf dem Plateau sehr trocken, am Fuße des Waterbergs jedoch sprudeln kräftige Quellen. Üppiger Pflanzenwuchs und eine artenreiche Fauna sind die Folge. Seit 1972 steht ein rund 400 Quadratkilometer großes Gebiet rund um den Waterberg unter Naturschutz, in dem bedrohte Tierarten wie Nashörner, Streifengnus und verschiedene Antilopenarten angesiedelt worden sind. Auch dieser Waterberg Plateau Park ist ein lohnendes Ziel mit diversen Unterbringungsmöglichkeiten und einem guten Restaurant. 
 
Im Nordosten reicht das Staatsgebiet Namibias mit einem langgestreckten, schmalen Landzipfel tief in das Gebiet des Okavango hinein: dem Caprivi-Streifen. Dieses Grenzland zwischen Angola, Sambia, Simbabwe und Botswana ist dank der mächtigen Flüsse Okavango, Kwando und Zambesi die  wasserreichste Region Namibias. Die tropische Klimazone und der Wasserreichtum sorgen für eine dichte Vegetation und ein reiches Tierleben. Einen der landschaftlichen Höhepunkte stellen sicherlich die Popa Falls dar, Stromschnellen des Okavango inmitten paradiesischer Natur. Über den neuen Caprivi-Highway lassen sich auch attraktive Ziele wie die  Victoria Falls in Simbabwe oder der Chobe Nationalpark in Botswana problemlos erreichen. Mit Wartezeiten an der Grenze muss jedoch gerechnet werden und Benzin ist - wie überall im Land - nicht flächendeckend erhältlich. 
 
Im Süden wiederum lockt der berühmte  Fischfluss-Canyon. Über 25 km kann man von einer Straße am Ostrand entlang den Blick auf eines der größten Naturwunder Afrikas und den größten Canyon der südlichen Hemisphäre genießen. Die sportlichere Art allerdings, den Fischfluss-Canyon zu entdecken, besteht in einer fünftägigen Wanderung, die jedoch gute körperliche Kondition erfordert und aus klimatischen Gründen nur von Mai bis September möglich ist. An seinem südlichen Ende lädt dann das Thermalbad Ai-Ais mit seinen 60°C heißen Quellen zur wohlverdienten Erholung ein. Entlang der Küste zwischen dem Swakop-Tal und Lüderitz erstreckt sich Namibias größtes Naturschutzgebiet, der Namib-Naukluft-Park. Schroffe Bergmassive, die sich bis zu 1.949 Meter über dem Meer erheben, und tief eingeschnittene Täler bilden mit leichteren und anspruchsvollen Strecken ein Paradies für Wanderer. Den Höhepunkt des Naukluft-Parks bildet jedoch mit Sicherheit das Sossusvlei - eine von imposanten Dünen eingeschlossene Lehmsenke. Nur alle zehn Jahre etwa füllt sich diese bei starken Niederschlägen mit Wasser, das nicht durch den Lehmboden sickern kann und dann für einige Zeit einen türkisblauen See bildet. Die umgebenden Dünen, die ständig vom Wind verschoben werden, ragen zum Teil bis zu 300 Meter empor und zählen damit zu den höchsten der Welt. 
 
Auch heute noch zählt Namibia zu den führenden Diamanten-Förderern der Welt. Die eigentlichen Kostbarkeiten des Landes jedoch, das wird bei einer Rundreise klar, sind die Freundlichkeit der Menschen und die zahlreichen Nationalparks, in denen die ursprünglichen und pittoresken Naturschönheiten des Landes bewahrt wurden. 
 

Quelle: Kundenmagazin FREIZEIT 11/2010, Autor: Aldo Green

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